Mit seiner Ankündigung am Abend des 2. April 2025, für nahezu alle Handelspartner der USA die Zölle noch einmal massiv anzuheben, hat Donald Trump sowohl die Wirtschaft als auch die internationalen Finanzmärkte aufgeschreckt.
Geplant sind komplexe neue Zollregeln, die alle Länder betreffen, die mit den USA in einer Handelsbeziehung stehen.
Neben einem Basiszoll von 10 % für alle sollen Länder, die den USA handelstechnisch angeblich besonders schaden, mit höheren Sätzen bestraft werden – so z. B. die EU-Mitgliedsländer mit einem Plus von 20 %, China mit 34 % und Japan mit 24 %. Auf die zugrundeliegenden, mehr als fragwürdigen Berechnungsgrundlagen möchten wir an dieser Stelle nicht eingehen.
Zudem erscheint zur Stunde noch nebulös, inwiefern diese neuen Zollsätze wirklich komplett auf bereits bestehende Zölle aufgeschlagen werden oder ob es noch Möglichkeiten zur Verrechnung mit den bereits bestehenden Zöllen gibt.
Wie auch immer, manche sehen den Auftritt Donald Trumps als den Beginn eines lang andauernden internationalen Handelskrieges mit all seinen negativen Konsequenzen sowohl für die Realwirtschaft als auch für die internationalen Finanzmärkte. Stand heute glauben wir das nicht, und zwar aus zwei Gründen.
Internationaler Handel – ein Nullsummenspiel?
Erstens scheint es tatsächlich so zu sein, dass sowohl Trump als auch seine Administration – entgegen der einhelligen Meinung in den Wirtschaftswissenschaften – den internationalen Handel für ein sogenanntes Nullsummenspiel halten. Ein solches Spiel ist dadurch gekennzeichnet, dass etwaige Gewinne des einen zwingend genau die Verluste des anderen sein müssen. In der Trump-Administration geht man daher offenbar davon aus, dass Regionen und Länder mit einem Leistungs- bzw. Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA – wie Europa, Japan und China – bisher die Gewinner waren, die USA dagegen mit ihrem Defizit der Verlierer. Diese Situation soll nun – im Rahmen der falschen Logik durchaus folgerichtig – umgedreht werden, indem man die Zölle so weit anhebt, dass dieses Defizit geringer wird, zugleich für den amerikanischen Staat Zolleinnahmen entstehen und langfristig Länder, wie z. B. Deutschland, statt Autos in die USA zu exportieren, diese in den USA produzieren.
Abgesehen davon, dass diese Rechnung aus den unterschiedlichsten Gründen nicht aufgehen kann, wird in dieser Logik ganz grundsätzlich nicht berücksichtigt, dass der internationale Handel eben kein Nullsummenspiel ist. Von ihm profitieren alle Beteiligten, auch Länder mit Leistungsbilanzdefiziten, wie die USA. Umgekehrt verlieren dann eben auch alle, wenn er zurückgedreht wird – und die USA an erster Stelle. Bedeutet doch das US-Leistungsbilanzdefizit nichts anderes, als dass die Handelspartner den USA Güter und Dienstleistungen überlassen und dafür als Gegenleistung US-Anleihen akzeptieren – in der Sprache des Außenhandels wird das dann Kapitalbilanzüberschuss genannt. Dahinter steht aber die nach wie vor große Attraktivität des US-Finanzmarktes und die Glaubwürdigkeit der USA als internationaler Schuldner.
Genau diese Attraktivität und Glaubwürdigkeit wird durch die extremen Aktionen Trumps gefährdet. Mit einem Wort: Donald Trump schadet mit seiner extremen Zollpolitik zwar auch seinen Handelspartnern, in erster Linie aber den USA selbst. Eine wiederauflebende Inflation bei gleichzeitiger Wachstumsschwäche der amerikanischen Wirtschaft und – vermutlich langfristig am gravierendsten – eine Erosion des Vertrauens in die US-Finanzmärkte und steigende Kapitalmarktrenditen werden die wahrscheinlichsten Folgen dieser Politik sein – so sie denn brachial fortgesetzt wird. Die geplanten Steuergeschenke Trumps werden diese negativen Folgen aus unserer Sicht nur unzureichend abmildern.
Im Gegensatz zur Trump-Administration haben die Finanzmärkte diese Zusammenhänge bereits begriffen und entsprechend reagiert.
Seit dem Amtsantritt Donald Trumps Anfang des Jahres hat seine feindselige Rhetorik zu einem spürbaren Kursrücksetzer der US-Aktienmärkte geführt, während die Kurse in den meisten anderen Ländern deutlich gestiegen sind.
Auch der jüngste Auftritt mit seinen wilden und medienwirksamen Zollankündigungen hat an den Märkten stärkeren Abgabedruck erzeugt.
Wir hoffen (und glauben das letztlich auch), dass irgendwann auch die Trump-Administration die skizzierten ökonomischen Zusammenhänge begreifen und akzeptieren wird.
Theaterdonner, um eigene Position zu stärken?
Daneben gibt es jedoch noch einen zweiten Grund, warum wir nicht von einem länger andauernden Handelskrieg ausgehen. Es könnte durchaus sein, dass die extremen Ankündigungen Donald Trumps letztlich den Zweck haben, die weltweiten Handelspartner der USA zu Verhandlungen über eine grundlegend neue internationale Verteilung der Zollbelastungen zu zwingen. Denn entgegen manchen Verlautbarungen hierzulande sind auch Europa und China – was ihre Zollpolitik anbelangt – keine Unschuldslämmer. Europa beispielsweise verhängte bis zuletzt auf Güter aus den USA sogar höhere Zölle als umgekehrt. Die martialischen Ankündigungen könnten also durchaus auch Theaterdonner sein, um die Position der USA in solchen Verhandlungen zu stärken.
Zugegebenermaßen ist diese Argumentation eine sehr positive Interpretation der bisherigen Ereignisse. Allerdings könnte sie – sollte sie sich als richtig herausstellen – die Verhältnisse sogar grundlegend zum Besseren wenden.
Vielleicht kommt es sogar so, wie es der deutsche Interims-Finanzminister Jörg Kukies in einer Rede kurz nach seinem letzten USA-Aufenthalt angedeutet hat: dass das Ergebnis der Verhandlungen mit den USA u. U. sogar eine Freihandelszone sein könnte, in der es überhaupt keine Zölle mehr gibt. Dies wäre allerdings eine erstaunliche Wendung der Geschichte – aber man soll seinen Optimismus ja nie aufgeben.
Sich von der aktuellen Negativstimmung nicht so stark einfangen zu lassen, gelingt vielleicht auch mit der Betrachtung der längerfristigen Aktienmarktentwicklung. Die Performance der letzten fünf Jahre relativiert die jüngste Kurskorrektur doch merklich.